Liebe Leserinnen und Leser,

ich hoffe, Sie alle hatten einen erholsamen Urlaub, auch ich konnte einige Tage in der griechischen Sonne genießen und steige heute mit frischem Geist in unser neues Blogthema ein: die dynamische Stabilisierung der Wirbelsäule.

Spondylodese – Was ist das denn überhaupt?

Sicher haben viele von Ihnen schon einmal von einer sogenannten Wirbelsäulenversteifung gehört, bei der zwei oder mehrere benachbarte Wirbel miteinander verbunden werden. Dieser Eingriff ist nötig, wenn die Betroffenen ernsthafte Instabilitäten der Wirbelsäule entwickelt haben, die ihren Alltag einschränken und Schmerzen verursachen, wie etwa beim Wirbelgleiten.

Abbildung einer Spondylodese der Wirbelsäule in der Röntgenaufnahme
Röntgenaufnahme einer klassischen Spondylodese, Dr. Christopoulos

Röntgenaufnahme einer klassischen Spondylodese. Der betroffene Bereich wird dann in der Regel durch die Kombination aus einem Schrauben-Stab-System und einem oder gegebenenfalls auch zwei sogenannten Cages versteift.

Diese OP-Methode zur Versteifung der Wirbelsäule entsprach noch vor 10 bis 15 Jahren dem Goldstandard bei der Behandlung von Instabilitäten der Wirbelsäule. Im letzten Jahrzehnt wird allerdings versucht – auch mit Hilfe der Industrie – bei Patientinnen und Patienten mit Wirbelsäulendegenerationen bewegungserhaltend zu operieren.
Die Gründe hierfür sind vielfältig. Der Wichtigste unter ihnen betrifft allerdings nicht die perioperativen Komplikationen, sondern die Probleme, die einige Zeit nach dem Eingriff auftreten.

Anschlussinstabilität nach der Spondylodese OP

Die Beweglichkeit ist nach einer rigiden Spondylodese OP (also mit Cage und festem Schrauben-Stab-System) im Bereich der versteiften Wirbelsegmente deutlich eingeschränkt. Daher kann es dazu kommen, dass die benachbarten, noch nicht operierten Segmente der Wirbelsäule durch die Fusion des betroffenen Segments mit den Jahren überbelastet werden und schneller verschleißen. Dies nennt man dann Anschlussinstabilität.

Viele Patientinnen und Patienten, die sich einer Wirbelsäulenversteifung unterzogen haben, müssen sich so einige Jahre nach der ersten Operation einer erneuten Spondylodese OP unterziehen, da die Anschlussdegeneration nach der ersten Spondylodese ihre Folgesymptome zeigt. So sind weitere Eingriffe, im Sinne einer Verlängerung der Wirbelsäulenversteifung relativ häufig.

Dynamische Stabilisierung von Wirbelsegmenten

Eine gute Lösung, um das Risiko von Anschlussstabilitäten zu verringern ist die sogenannte dynamische Stabilisierung der instabilen Wirbelsegmente.
Bei der dynamischen Stabilisierung werden auf der gleichen Basis eines Pedikel-Schrauben-Systems Wirbel stabilisiert.

Schrauben-Stab-System bei der dynamischen Stabilisierung der Wirbelsäule

Pedikel-Schrauben-Systeme sind jene Schrauben-Stab-System, bei dem die Schrauben in dem Pedikel genannten Bereich der Wirbel befestigt werden. Der Pedikel, auch Wirbelfuß genannt, ist die Verbindung zwischen Wirbelkörper und Wirbelbogen.

Bei den von mir durchgeführten dynamischen Spondylodesen wird hier statt eines starren Stabes ein teilbeweglicher Stab verwendet, der eine Teilbeweglichkeit im operierten Segment ermöglicht. Es gibt außerdem auch Systeme, bei denen auch die Schrauben-Stab-Verbindungen flexibel sind.

Vorteile der dynamischen Stabilisierung

Die dynamische Stabilisierung kann bei bestimmten Krankheitsbildern also eine Alternative zur Wirbelsäulenversteifung mit starrem Schrauben-Stab-System und Cage darstellen. Sie korrigiert Überbeweglichkeiten, stabilisiert das lockere Segment und entlastet somit Bandscheibe und Facettengelenke, ohne die Beweglichkeit des Segments komplett aufzuheben.

Röntgenbild einer dynamischen Spondylodese in Köln
Röntgenbild einer dynamischen Spondylodese von Dr. Christopoulos

Die dynamische Stabilisierung verhindert dabei die schmerzhafte Rotation (Drehung) der Wirbelsäule im betroffenen Bereich während durch den flexiblen Stab ein gewisses Maß an nach vorne (Anteflektion) sowie nach hinten Beugen (Retroflexion) möglich bleibt.
Dies schützt nicht nur die betroffenen Bandscheibe des operierten Segmentes, sondern auch die benachbarten Etagen. Damit ist das Risiko einer sogenannten Anschlussinstabilität deutlich geringer als bei einer klassischen Wirbelsäulenversteifung.

Hinzu kommt, dass die perioperativen Risiken dadurch, dass nicht zusätzlich die Bandscheibe komplett entfernt werden muss, um das Cage Implantat einzusetzen, geringer sind als bei einer klassischen Spondylodese OP.

Sowohl bei der klassischen Spondylodese als auch bei der dynamischen Spondylodese konnte außerdem das früher häufiger beobachtete Implantatversagen (Schraubenbrüche) in der letzten Zeit durch Verbesserungen der Produkte durch die Industrie nahezu aufgehoben werden.

Die Vorteile einer dynamischen Stabilisierung sind mittlerweile auch wissenschaftlich ausreichend untersucht und mit guten Studien belegt. Entscheidend ist für den Erfolg einer dynamischen Spondylodese, wie immer eigentlich in der Medizin, die richtige Indikationsstellung.

Degenerative Erkrankungen der Wirbelsäule – Wann kommt eine dynamische Stabilisierung in Frage?

Prinzipiell, egal ob man eine klassische Fusionsoperation mit Cage plant oder eine dynamische Spondylodese, sollte das Ziel sein, nervenschädigende Bewegungen zu eliminieren und komprimierte Nervenwurzeln zu entlasten, so dass ein optimaler Schutz und Raum für Rückenmark und Nervenwurzeln gewährleistet ist.

Bei welchen Krankheitsbildern bietet sich eine dynamische Stabilisierung aber besonders an?

Persönlich halte ich vor allem bei jenen Patientinnen und Patienten ein dynamische Spondylodese für ideal, die eine kräftige Spinalkanalenge aufweisen bei zugleich recht guter Qualität der betroffenen Bandscheibe. Hinzukommen darf auch ein leichter Gleitwirbel (Olisthesis).
Beweglichkeit nach einer dynamischen SpondylodeseDabei wird zunächst durch eine Dekompression der Spinalkanal wieder aufgeweitet, um Rückenmark und die darin befindlichen Nerven zu entlasten und Raum zu schaffen. Im Anschluss werden durch die dynamische Stabilisierung Folgeschäden an der Bandscheibe und das Fortschreiten des Wirbelgleitens verhindert.
So wird der Patientin oder dem Patienten wieder eine bessere Beweglichkeit mit verringerten Schmerzen ermöglicht, das Gehen von längeren Strecken wird zum Beispiel wieder möglich. Die Rückenschmerzen verschwinden im besten Fall komplett.

Zugleich wird eine Anschlussinstabilität nach der Spondylodese OP vermieden.

Ungeeignet sind Patientinnen und Patienten, die unabhängig vom Alter ein sehr aufgebrauchtes Bandscheibenfach im MRT aufweisen. In diesen Fällen sollte eine klassische Wirbelsäulenversteifung mit Cage durchgeführt werden.

 

Für Fragen und eine weitere Beratung stehe ich Ihnen wie immer selbstverständlich jederzeit zur Verfügung.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und einen schönen September!

Ihr Dr. med. Charilaos Christopoulos
Chefarzt für Wirbelsäulenchirurgie, OTHOPARC Klinik GmbH, Köln

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4 Comments

  • Benutzerbild von Cornelia Quistorff
    by Cornelia Quistorff
    Posted 13/05/2022 08:57

    Guten Morgen Dr. Christopoulos,

    Ich habe ein Problem mit meiner Wirbelsäule.
    Sie wurde schon mehrfach versteift und soll nun noch bis zum Becken versteift werden.
    Die Lendenwirbelsäule hat sich nun schon 6,5 cm nach rechts verkrümmt.
    Ich bin fast 66 Jahre und möchte mich gerne noch etwas bewegen können.
    Nun habe ich bei Ihnen von einer dynamischen Versteifung gelesen und möchte wissen, würde diese Methode auch bei mir gehen.
    Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.
    LG
    Cornelia Quistorff

    • Benutzerbild von Dr. Christopoulos
      by Dr. Christopoulos
      Posted 22/02/2024 16:37

      Eine Antwort kann hier nicht pauschal gegeben werden, daher kontaktiere ich Sie erstmal via E-Mail.

  • Benutzerbild von Angelika Miersch-Richter
    by Angelika Miersch-Richter
    Posted 10/03/2024 13:29

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    habe erhebliche Einschränkungen auf Grund Wirbelgleitens LW 4/5 und Spinalkanalstenose. Gehunfähigkeit ab 600m, beginnend Inkontinenz, starkes Schwindelgefühl… Bin vor 4 Jahren noch Bergwandern und aktiv tanzen gegangen. Ich bin nicht privat versichert. Wie kann ich Ihre OP Methode nutzen?
    Besten Dank im Voraus.
    mit freundlichen Grüßen

    Angelika Miersch-Richter

    • Benutzerbild von Dr. Christopoulos
      by Dr. Christopoulos
      Posted 14/03/2024 10:44

      Sehr geehrte Frau Miersch-Richter, dazu treten wir per E-Mail in Kontakt mit Ihnen.
      Mit freundlichen Grüßen

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