OP-Methode zur Verhinderung eines Rezidiv Bandscheibenvorfall: Verschluss des Anulus fibrosus mit Barricaid

Lieber Leserinnen und Leser,

nach den (deutschen und griechischen) Osterfeiertagen und einem Kurzurlaub melde ich mich zurück, erfreut, dass auch in Deutschland endlich das gute Wetter angekommen ist.

Heute geht es um eine neue, interessante Behandlungsmöglichkeit für Patienten mit dem Risiko eines Rezidiv Bandscheibenvorfall. Barricaid ® bietet Hilfe für all jene Patientinnen und Patienten, die zur Risikogruppe gehören, nach einer erfolgten Bandscheiben OP erneut Beschwerden zu entwickeln.

Viele glauben, wenn sie sich einmal zur Operation zur Entfernung eines Bandscheibenvorfalles entschieden haben, wird eine weitere Operation an dieser Stelle nie wieder notwendig. Dem ist leider nicht so, denn eines der größten Probleme der Bandscheibenchirurgie war und ist das Rezidivrisiko.

Was ist ein Rezidiv des Bandscheibenvorfalles?

Rezidiv Bandscheibenvorfall - Neuer Bandscheibenvorfall nach Bandscheiben OP

Unter einem Rezidiv versteht man einen neuen Bandscheibenvorfall nach einer Bandscheibenoperation, auf der gleichen Etage sowie auf der gleichen Seite, was rein theoretisch immer passieren kann.

Statistisch gesehen häufen sich die Rezidive in den ersten drei bis vier Monate nach der Bandscheiben OP. Es kann aber auch nach mehreren Jahren zu einem Rezidivvorfall kommen.

Dabei trifft es im Durchschnitt jede 10. Patientin bzw. jeden 10. Patienten nach einer Operation eines lumbalen Bandscheibenvorfalles nach dem GOLD-Standard (mikrochirurgische Diskektomie). Viele müssen deshalb nachoperiert werden. So ist das sogenannte Diskektomie-Dilemma entstanden.

Diskektomie – Vorgehen bei einer Bandscheiben OP

Bei der operativen Therapie eines Bandscheibenvorfalles muss der Operateur entscheiden, wie viel nach der Entfernung des Bandscheibenvorfalles außerdem noch vom vorhandenen Bandscheibengewebe entfernt wird. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Aggressive Diskektomie
    Bei der Bandscheibenoperation wird so viel Bandscheibengewebe wie möglich entfernt. Dadurch wird das Risiko eines Rezidivs minimiert. Allerdings wird so Masse des Bandscheibengewebes, welches im Bandscheibenfach liegt, so stark reduziert, dass andere Beschwerden auftreten können. Die aggressive Diskektomie führt in vielen Fälle zu zunehmenden tieflumbalen Rückenbeschwerden, die eine entsprechende Veränderung des gesamten Bewegungssegments zur Folge haben.
  • Limitierte Diskektomie
    Bei einer limitierten Diskektomie wird nach Möglichkeit nur der Raum fordernde Anteil der Bandscheibe bzw. des Bandscheibenvorfalles entfernt, also jener Teil des Gewebes, der auf den Nerv drückt. Das Risiko eines Rezidivs nimmt hier zu, da erneut Bandscheibengewebe aus der Bandscheibe durch den defekten Bandscheibenring (Anulus fibrosus) austreten kann.

Doch in welchen Fällen wird eher eine limitierte oder aggressive Diskektomie durchgeführt?

 

Riss im Anulus Fibrosus – Ursache der erneuten Schmerzen nach einer Bandscheiben OP

Ausschlaggebend für die Frage, wie viel Bandscheibengewebe entfernt werden sollte, ist die Größe des Risses im Anulus fibrosus, dem Bandscheibenring, der das Bandscheibengewebe zusammen hält.

(Lesen Sie auch mehr zum Aufbau der Bandscheiben auf meiner Seite zur Anatomie der Wirbelsäule.)

Bei Patientinnen und Patienten mit einem sehr großen Anulus fibrosus Defekt steigt das Risiko, dass durch den Einriss nach der Bandscheibenoperation erneut Bandscheibengewebe austritt und auf den Nerv drückt. Aus diesem Grund wird häufig eine aggressive Diskektomie durchgeführt, mit den entsprechenden folgenden Risiken einer Instabilität mit starken Rückenschmerzen und Folgeoperationen wie oben genannt.

Das Bedauerliche: Dieser Fall tritt besonders häufig bei Patientinnen und Patienten mit einer recht hohen und im MRT qualitativ gar nicht so schlechten Bandscheibe ein.

Aus diesem Grund versucht die Industrie bereits seit Jahren ein Implantat zu entwickeln, welches das „Loch“, aus welchem der Bandscheibenkern austreten kann, bei der Operation nach Entfernung des Bandscheibenvorfalls zu verschließen.

Barricaid – Implantat zum Verschluß des Anulus Fibrosus

Seit einigen Jahren ist ein Implantat auf dem Markt, welches als Anulus Verschluss Prothese bezeichnet wird.

Barricaid Implantat Anulus fibrosus Verschluss

Barricaid, ein Wortspiel aus den englischen Worten barricade (Barrikade) und aid (Hilfe) wird von der Firma Intrinsic Therapeutics hergestellt und seit einigen Jahren bei Bandscheiben OPs eingesetzt.

Das Bandscheibenimplantat besteht aus einem Anker, welcher im oberen oder unteren Wirbel implantiert wird und einem Mesh aus Kunststoff, welches den Einriss der Bandscheibe entsprechend sicher verschließt. Je nach Größe des Defektes kann ein Mesh in der richtigen Größe gewählt werden.

Seit über einem Jahr ist das Implantat auch wissenschaftlich ausreichend getestet, die Wirksamkeit wurde in hochwertigen klinischen Studien belegt.

Bandscheibenoperation mit Barricaid in Köln

Seit dieser Zeit verwende auch ich das Implantat in der ATOS Orthoparc Klinik mit recht großem Erfolg.

Den großen Nutzen aus einer Barricaid-Implantation habe ich bei Patienten und Patientinnen mit einem hohen Risiko eines Bandscheibenvorfallrezidivs, also einer recht großen Bandscheibenhöhe (im MRT mehr als 5 mm) und einem großen Defekt des Anulus fibrosus, bereits in meiner eigenen Praxis mitverfolgen können.

Anulus fibrosus Verschluss Barricaid nach der Bandscheiben OP in Köln

Bei der minimal invasiven Bandscheiben OP wird der Bandscheibenvorfall entfernt und zugleich das Barricaid Implantat sicher unter dem Mikroskop implantiert. So wird das Loch verschlossen, und die Betroffenen müssen keine Angst vor erneuten Vorfällen zu haben. Da bei dieser OP-Methode recht viel Bandscheibenmaterial im Bandscheibenfach bleibt, wird ein zunehmender Verschleiß der betroffenen Bandscheiben praktisch verhindert.

 

Bevor Sie sich für Ihren vorliegenden Bandscheibenvorfall nun auch ein Barricaid Implantat wünschen: Das klinische Ergebnis steht und fällt mit der richtigen Auswahl der Patientinnen und Patienten. Leider eignet sich Barricaid nicht bei allen Bandscheibenvorfällen, Betroffene mit kleinen oder schlitzförmigen Defekten oder mit einer stark verschließenden Bandscheibe profitieren von einer Behandlung mit dieser Methode nicht.

Wenn Sie mehr erfahren wollen oder wissen möchten, ob Sie als Patient oder Patientin für die Methode in Frage kommen, stehe ich Ihnen selbstverständlich gerne für ein persönliches Gespräch zur Verfügung.

Vielen Dank fürs Lesen!

Ihr Dr. med. Charilaos Christopoulos
Chefarzt für Wirbelsäulenchirurgie, OTHOPARC Klinik GmbH, Köln

 

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